Foto: Urban Ruths

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Sweet little lies

  1. https://www.mpg.de/12633873/metaanalyse-zu-luegen ↩︎
  2. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S221480432500165X#:~:text=This%20paper%20explores%20Justified%20Dishonesty,rolls%5D%20are%20not%20available ↩︎

2 Gedanken zu “Sweet little lies

  1. Mit Spannung habe ich die ganze Geschichte gelesen und bin bei mir selber auch auf allerhand flunkern gekommen.
    Dass ich auch mit dem Älterwerden immer weniger bis gar nicht mehr flunker liegt an meiner zunehmenden Bequemlichkeit. Es ist mir zu anstrengend.
    Liebe Grüße von Eduard 🙏❤️

  2. Wirklich originell, das mit dem Onkel Neuer. Welchen Mehrwert sie sich wohl davon erhofft hat, speziell einen Fußballer auszuwählen. Vielleicht war Neuer zu der Zeit gerade besonders populär, zudem in München ansässig, also nicht so leicht in Berlin anzutreffen, dachte sie sich wohl.

    Ich überlege gerade, was eine echte, richtig dicke Lüge in meiner Biographie war. Mir fallen exakt zwei Sachen ein, die eine befremdet mich selbst heute noch. Die mir nachvollziehbare finde ich allerdings auch nicht so furchtbar verwerflich. Die eine Lüge kam daher, dass ich 1986 keinen Job hatte und eine Wohnung suchte, meine WG-Bewerbungen waren gescheitert, ich passte bei den Bewerbungsgesprächen nicht ins gewünschte Schema.

    Dann suchte ich nach einer 1-Zimmer-Wohnung. Ich wollte gerne nach Schöneberg, denn da war auch meine Lieblingsbar, die „Domina-Bar“ in der Winterfeldstraße (der frivole Name war nur eine Provokation, kein Hinweis auf ein Geschäftsmodell). In der Bar trafen sich bis weit nach Morgendämmerung alle Paradiesvögel von Westberlin, auch Horizontalgewerbe von der Potsdamer Straße, Sozialhilfempfänger, Hausbesetzer, Musiker, Punks, Taxifahrer, Schauspieler, Studenten, Gastronomen, die endlich auch mal Feierabend hatten.

    Einer davon war Arno vom Restaurant Florian in der Grolmannstraße (das es leider nicht mehr gibt). Er war dort in einer Art leitenden Funktion, engster Mitarbeiter der Inhaberin Gerti. Ich wusste damals nur, dass das Florian DER Treffpunkt für Filmschaffende war, jede Menge Promis, ich hatte mich selbst noch gar nicht hineingetraut. Arno und ich freundeten uns dick an, wir liebten und, hatten denselben Humor und lachten viel. Ich erzählte ihm von meiner bislang vergeblichen Wohnungssuche, die vor allem daran scheiterte, dass ich keine Verdienstbescheinigung vorweisen konnte. Da hatte Arno die Idee, dass er mir eine ausstellt, in der steht, dass ich im Florian als „Kaltmamsell“ arbeite. Ich war happy, am liebsten hätte ich den Job wirklich gemacht (war aber kein Bedarf und ich auch nicht gastronomisch qualifiziert). Ich bekam dann auch meine erste Wohnung in Berlin, in Schöneberg, in der Leberstraße 54, schräg gegenüber von dem Haus wo Hildegard Knef ihre Kindheit verbracht hat.

    Die zweite Lüge hing dann mit der Wohnung zusammen. 1992, ich wohnte mittlerweile sechs Jahre in der Erdgeschoss-Hinterhofwohnung in Schöneberg, als sich eine Affäre mit einem 23 Jahre älteren Mann anbahnte. Er war Übersetzer und Dolmetscher und wohnte mit seiner Frau und zwei Kindern in einer superschicken Dachgeschosswohnung gegenüber vom Schloss Charlottenburg. Er dolmetschte regelmäßig bei der Berlinale und zählte einige namhafte Spanier und Südamerikaner zu seinem Freundeskreis, er selbst stammte aus Kolumbien. Als seine Frau mit den Kindern anlässlich der großen Sommerferien länger verreist war, lud er mich in seine Wohnung ein, das war direkt zu Beginn der Affäre. Angeblich lebte er in Scheidung von seiner Frau, ob das stimmte, weiß ich bis heute nicht, ich hatte kein Interesse mich in eine bestehende Beziehung einzumogeln.

    Jedenfalls erforderte die erotische Anziehung zwischen uns, dass wir uns zurückziehen konnten. Nun war aber meine Wohnung inzwischen in einem teilweise bedauerlichen Zustand. Zwar alles hübsch dekoriert und aufgeräumt, aber seit geraumer Zeit waren die Bodendielen so morsch, dass man durch die Schlitze teilweise fast in den Keller gucken konnte, ein bisschen gruselig. Eine Erneuerung stand an, aber so weit war es noch nicht. Mir war der baufällige Zustand des Bodens so unangenehm, ja peinlich, dass ich ihn nicht in meine Wohnung einladen wollte. Da kam ich auf die Idee – und damit wollte ich mich auch zusätzlich interessanter machen – zu behaupten, ich würde mit „meinem Freund“ zusammen wohnen, deshalb ginge es nicht, dass wir zu mir gehen. Er hat das geschluckt, warum auch nicht. Es gab keinen Freund. Aber ich fühlte mich so ein bisschen auf Augenhöhe mit seiner familiären Wohnkonstellation. Wir gingen dann auch mal in ein Hotel in Berlin. Im Herbst des Jahres hatte dann die Hausverwaltung endlich die Renovierung beschlossen, die Bauaufsicht war bereits mehrere Male da gewesen, es musste gemacht werden. Zufällig wurde zeitgleich die genauso geschnittene Wohnung eine Etage höher frei und ich zog dort ein. Heller und kein morscher Boden mit Gefahr in den Keller einzubrechen.

    Ich verkaufte das meiner mittlerweile Langzeitaffäre als „ich habe mich von meinem Freund getrennt und ziehe aus“. Dass ich nur eine Treppe höher zog, erzählte ich ihm nicht. Nun konnte ich ihn auch in meine kleine Wohnung einladen und wir gingen nicht mehr ins Hotel. Die Lüge war damit beendet.

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