Foto: Urban Ruths

Filter, Baby!

2 Gedanken zu “Filter, Baby!

  1. Nun, ich sag’s mal so: Uneitelkeit ist eine schwer zu tolerierende Form der Unhöflichkeit gegenüber den Mitmenschen. Insofern bleibt die Eitelkeit eine lässliche Sünde, die ich gern an mir und vor allem den anderen akzeptiere. Danke für Deine charmanten, uneitlen und herrlich ehrlichen Introspektiven, liebe Saskia

  2. „(…) In Erzählungen darüber, wie beschäftigt man ist.“

    Mich lässt der Verdacht nicht los, dass diejenigen, die lautstark privat mit ihren sie ach so beschäftigenden, formidablen Projekten hausieren gehen, eher eine Art Selbstvergewisserung betreiben, dass sie es im Leben doch noch zu etwas gebracht haben. Mir fällt wiederholt auf, dass das oft Menschen sind, nicht selten auch Personen, die sich selbst als Künstler/innen betrachten, die de facto gar nicht so viele Projekte oder Erfolge zu verzeichnen haben und dann ihr endlich mal wieder anstehendes kleines Engagement oder whatever bis zur Unkenntlichkeit aufplustern. Ich kannte und kenne da einige Kandidaten, wo mir die tatsächlichen Verhältnisse bekannt sind. Man muss nur mal darauf achten, was Menschen privat kommunizieren, die WIRKLICH viele berufliche Termine und Engagements auf der Agenda haben: meistens wenig, da sie sich privat von den Themen erholen wollen, die sie sonst auf Trab halten und Ergebnisse sprechen lassen. Schwer vorzustellen, dass z. B. Mick Jagger in einem privateren Kreis herumtönt, dass er aktuelle ganz ganz wenig Zeit hat, weil EINE NEUE PLATTE herausgekommen ist und er SO VIELE PROMO-TERMINE hat! Ich selbst halte es mit jeglichen Verlautbarungen zu Aktivitäten so, dass ich im Vorfeld gar nicht drüber rede, erst wenn alles in trockenen Tüchern ist und alles andere ist schlicht und ergreifend Arbeit, die gemacht werden muss, die sich aber nicht dadurch erledigt dass man lang und breit darüber schwafelt. Ich hatte mal näher mit jemandem zu tun, der stundenlang in hippen Cafés in Friedrichshain mit seinem Mac Book saß und den halben Tag damit verplemperte, von künftigen Projekten zu phantasieren. Realisiert hat er von all den farbig ausgemalten Sensationen ungefähr 1 Prozent.

    Deine Brillen-Abneigung teile ich. Konnte mich nur schwer daran gewöhnen, in der S-Bahn die Lesebrille aufzusetzen, weil Lesen anders nicht mehr möglich ist. Und muss Dir natürlich auch sagen, Deine Brille (meine aber nicht die auf dem Foto da oben) steht Dir unfassbar gut. Ich muss dann immer an die Szene mit Romy Schneider in Les Choses de la Vie denken, wo sie als „Übersetzerin“ in der Szene mit Michel Piccoli an der Schreibmaschine sitzt, die Haare zusammengebunden, Brille, Morgenmantel und ihn fragt was „ausschmücken“ auf französisch heißt – ob es affabuler sei… 🙂

    Über äußerliche Eitelkeiten freue ich mit viel mehr als über innerliche, weil ich es genieße, wenn die Welt dadurch schöner wird. Wem nicht egal ist, wie er vor die Tür geht, berücksichtigt im Grunde, was er seinen Mitmenschen bietet und wertet das Stadtbild und damit auch meine Lebensqualität auf. Insofern kann ich nur sagen: wie die Kinderärztin drauf ist, erschließt sich mir überhaupt nicht. Zumal Kinder auch dafür sensibel sind, ob ihre Mama hübsch ist, sich wohl in ihrer Haut fühlt. Kinder haben lieber eine schicke Mama als eine, die aussieht, als ob ihr alles wurst ist!

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