Foto: Urban Ruths

Fremde Freunde

2 thoughts on “Fremde Freunde

  1. Das Foto von Dir da oben ist wirklich episch, da passt mal wirklich „großes Kino“.
    Zum Thema Begegnung in der Kohlenstoffwelt* mit bislang virtuellen Bekannten/Kontakten („Freunden“ fände ich hier unangemessen) kann ich auch eine irritierende Erfahrung beitragen. Vorab muss ich sagen, dass ich ganz wenige fb-Freunde habe, also im Vergleich zu anderen, die aktiv „networken“ und etwa 99 Prozent davon traf ich zuerst persönlich und dann erst gab es die Freundschaftsanfrage von der einen oder anderen Seite.

    Einer der ganz wenigen Kontakte, den ich nicht vorher persönlich traf, ist ein äußerst renommierter Berliner Galerist, von dem viele Künstler gerne vertreten wären. Er hat diverse gemeinsame fb-Freunde mit mir und hat evt. mal meine Kommentare bei einem ihm gut persönlich bekannten Fotografenfreund unter dessen fb-Postings gelesen. Jedenfalls schickte er mir eine Freundschaftsanfrage und ich war geradezu elektrisiert, dass DER Galerist auf die Idee kommt MICH zu kontaktieren. Ich habe das ganz opportunistisch bestätigt und kurz danach beschäftigte er sich offenbar mit meinen fb-Postings und likte dies und das. Ich war dann auch in diversen Einladungsverteilern für seine Vernissagen und Events aber irgendwie ist immer was dazwischen gekommen, ich war nie dort. Als ich meine Ausstellung vorbereitete, schickte ich ihm eine Einladungskarte per Post in die Galerie. Er reagierte darauf, bedankte sich und versicherte, er hätte es sich vorgemerkt und versuche zu kommen. Vier Wochen vor der Eröffnung meldete es sich im fb-Chat und entschuldigte sich, dass er „gestern“ leider verhindert war, ein Termin mit einem wichtigen Sammler. Ich dachte mir, er ist etwas überarbeitet und teilte ihm mit, die Eröffnung sei erst in vier Wochen, er habe nichts verpasst. Er entschuldigte sich herzlich, mit warmen Worten, dass er den Termin durcheinander gebracht hatte. Zu meiner Eröffnung ist er nicht erschienen, entweder hat er es vergessen oder war wieder anderweitig verplant. Ich habe dann auch keine Chat-Aktivitäten weitergeführt. Irgendwann im vergangenen Herbst machte ich mich dann doch einmal zu einer Eröffnung in seine Galerie auf, gemeinsam mit dem ihm bestens bekannten Fotografenfreund. Obwohl die Eröffnung vergleichsweise überschaubar besucht war und man Zeit gehabt hätte, jeden persönlich mit Handschlag zu begrüßen, hielt der Galerist Hof mit dem ausstellenden Künstler, stand immer an derselben Stelle und kommunizierte nur im Kreis der vier Personen um ihn herum. Er nahm weder meinen guten Freund noch mich in irgendeiner Form erkennbar wahr. Ich hatte auch keinerlei Lust mich aufzudrängen. Das war ganz befremdlich und ich fand es auch ungastlich, sich so abgeschottet zu geben. Mein Begleiter war ebenfalls etwas konsterniert, dass es nicht einmal zu einem „Hallo, schön dass Du auch gekommen bist“ kam. Einfach strange. Am besten, man hat immer im Hinterkopf, dass Kontaktaufnahmen und Bestätigungen via Freundschaftsanfragen auf fb für viele nur Routine-Klicks zwecks Verdichtung von Vernetzung sind. Es gibt auch Ausnahmen, aber die sind doch eher selten. Man will ja auch nicht übergriffig wirken, bei ungeplanter echter Begegnung. Ich verstehe die Zurückhaltung schon recht gut – auf beiden Seiten.

    * haben die deutschen Blogger der ersten Generation vor zwanzig Jahren immer zur „richtigen Welt“ außerhalb des Internets gesagt

  2. Erstmal das Foto! Wow! Wie wunderschön ist das denn? Dann das: Ich habe eine sehr bekannte, laute Frau (keine Schauspielerin, eher eine Art Journalistin) in einem Café kennengelernt, dann hat sie mich auf Facebook geaddet mit mit vielen netten Worten öffentlich auf meiner Wall (ist alles fast 17 Jahre her, suchen zwecklos :D). Irgendwann habe ich eine Info gebraucht, also habe ich sie per DM gefragt, ob sie mir weiterhelfen könnte, da postete sie auf ihrer eigenen Seite: Das war ein guter Tag, habe das und das gemacht (vieles aufgezählt…) und mich darüber hinaus bewusst entschieden, jemanden zu ignorieren. Peng! Das hat gesessen. Es fehlte nur noch eine Verlinkung zu mir (das hat sie gnädigerweise nicht gemacht), aber es war klar, dass ich gemeint war. Seitdem habe ich NIE WIEDER einem eine Vernetzungsanfrage zusgesagt, den ich nicht kenne, jemanden angesprochen, den ich nur auf Social-Media kenne oder irgend jemanden um einen Rat oder eine Info gefragt, dem ich nicht vertraue. Social-Media ist eine IRRE WELT! Das habe ich vor über 17 Jahren so hart erlebt, das war eine so knallharte Lehre. Ich fühlte mich so-so mies. Aber Gott sei Dank bist du bei meinen Kontakten 😀 Küsse!

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