Als 25 alt war

7 Gedanken zu “Als 25 alt war”

  1. Liebste Saskia, ich lese Deine so schönen, klugen, witzigen, nachdenklichen, aufregenden, emotionalen, emphatischen…Geschichten jede Woche! Freue mich immer darauf, bin voller Vorfreude und Erwartung.
    Ich lese auch gerne alle Kommentare Deiner Liebsten dazu.
    Heute MUSS ich selbst schreiben, das „Thema“ treibt mich seit Mai umher… diese Zahl 70
    Diese Zahl hat auch überhaupt nichts mit mir zu tun, außer dass es mein Alter ist. Das ist so paradox, ich bin 70 und das ist mir so fremd.
    Viel gäbe es dazu zu sagen, zu schreiben.
    Wir beide kennen uns so lange Zeit, Karsten-„Kasi“ ist unsere „Schnittstelle“.
    Zählen der Jahre war niemals mein Ding.
    Geburtstage habe ich nicht mehr gefeiert als mein Enkelchen Paulchen 2006 geboren wurde.
    Enkelkinder sind, so meine ich, das „Sahnehäubchen“ des Lebens.
    Aber an deren „Älterwerden“ sieht man auch, wie rasant die Zeit vergeht.
    Oft denke ich jetzt:
    wieviele Weihnachten werde ich noch mit ihm erleben? Wieviele Sommer?
    Ich habe im September eine Greundin in Heidelberg besucht. Sie ist 88.
    Ich wollte von ihr erfahren, was sie denkt, wenn sie morgens wieder wach wird. Was, wenn sie sich abends zum Schlafen legt…wie sie mit dem Thema Endlichkeit lebt.
    Ich freue mich auf Deine weiteren Geschichten, liebe Saskia, hoffe, noch viele lesen zu dürfen und zu können.
    Fühl Dich fest umarmt und Kuss aufs Sonnengeflecht!
    Deine Stefanie 💫

    1. Liebste Stefanie!
      Ich danke Dir von Herzen für Deine wunderbaren Zeilen, die mich ganz doll berührt haben. Und ich freue mich riesig darüber, dass Du meine Kolumne immer liest – und sogar die Kommentare. 🫶 Was für ein Geschenk, dass Du nun selbst schreibst. ❤️
      Ich bin gerade regelrecht geschockt: Paulchen ist schon 20?! Aber Paulchen war doch gerade erst in der Pubertät! Diese Zahl kriege ich im Moment überhaupt nicht mit ihm zusammen.
      Als ich für das Titelbild dieser Kolumne Fotos aus meinen Zwanzigern gesucht habe, bin ich natürlich unweigerlich auch auf Bilder von unserem Karsten, Kasi, gestoßen. Zählen der Jahre war auch nie mein Ding. Und wenn ich heute daran denke, dass unser Freund schon seit zwölf Jahren nicht mehr in dieser Welt ist, kommt mir auch diese Zahl völlig surreal vor.
      Gaga hat unter der Kolumne geschrieben: „Der Zahn der Zeit weht erbarmungslos über uns alle hinweg.“ Und ja – vielleicht ist es genau das, was so verstört: nicht nur, dass Zeit vergeht, sondern wie unberechenbar sie ist.
      Deine Gedanken darüber, wie viele Weihnachten, wie viele Sommer noch bleiben, haben mich sehr berührt. Und ganz besonders die Fragen, die Du Deiner 88-jährigen Freundin gestellt hast: was sie denkt, wenn sie morgens wieder aufwacht, was sie fühlt, wenn sie sich abends schlafen legt, wie sie mit der Endlichkeit lebt. Das sind so große, intime Fragen. Ich würde ihre Antworten sehr gern kennen.
      Ich möchte darauf gar nicht mit irgendeinem Kalenderspruch über das „Hier und Jetzt“ antworten. Dafür ist das Thema viel zu groß und viel zu wahr. Deine Freundin hat vermutlich schon viele Menschen verloren, die sie geliebt hat. Und ich glaube, genau davor habe ich beim Älterwerden selbst am meisten Angst: nicht vor der Zahl, nicht vor den Falten (na doch schon 😅), sondern vor dem Abschiednehmen.
      Danke, dass Du das so offen geschrieben hast. Fühl Dich ganz fest umarmt – und Kuss zurück aufs Sonnengeflecht. ❤️

  2. Es ist komplex. Immer schon fällt mir auf, dass salbungsvolle Beschönigungen à la „hach, ich finde das ja so toll, wenn ein Gesicht gelebte Falten hat, so WAHNSINNIG ausdruckstark!“ ausschließlich aus Gesichtern kommen, die noch sehr weit von diversen Knitterfalten aus dem Spektrum „Marionettenfalten“ und „Plisseefalten“ entfernt sind. Je älter sie dann werden, umso leiser werden solche Statements. Ja, Lachfalten, wer findet die nicht schön? Aber diese senkrechten Runzeln über der Oberlippe, die Einbuchtung durch erschlaffte Haus an der „Jaw Line“? Ich brauche die wie einen Kropf und ein Ausdruck von Weisheit sind sie leider auch nicht. Mich schmerzen solche Wahrnehmungen im Spiegelbild (ist kein Fishing for Compliments, sondern real). Der Zahn der Zeit weht erbarmungslos über uns alle hinweg, mir macht das, die ich eigentlich eine sonst recht stabile Verfassung habe, keine Midlife Crisis, sondern eine Endlife Crisis. Die ich ganz gut kompensiere, indem ich mir schöne Erlebnisse verschaffe, die nicht direkt auf den Kontext „bin ich noch attraktiv für ein erotisches Gegenüber“ fixiert sind. Aber frei werde ich niemals davon werden, gesehen werden zu wollen, ein Lächeln von Unbekannten zu bekommen, das erwärmt das Herz, belebt den Geist und gibt neuen Schwung. Dass das sogenannte Seniorenalter aber nun neu definiert wird, brauche ich auch nicht, zumal es dann gleich wieder wohlfeile Steilvorlage für gewisse Wirtschaftspolitiker wäre in Richtung „Rente ab Siebzig“. Kannst Du mal von ausgehen. Auch ich habe mich als Kind vor alten Leuten gegruselt, die einfach düster aussahen, schrumpelig und komplett verwelkt, weil doch näher einem Abbild von Gevatter Tod als dem blühenden Lebens. Die Verkörperung von der Umkehr des kreativen, aufstrebenden Prozesses, Umkehr von Entfaltung, Hinweis auf Rückzug vom Leben und baldiger Auflösung. Tut mir auch leid, ich war zum Glück nie so konkret mit Kontakten konfrontiert. Außer mit einem Verwandten, ein ferner Onkel, der dick und feist war und Zigarre rauchte und immer danach roch, den fand ich auch abstoßend. Und einmal muss ich bei einer Zugfahrt als kleines Kind zu meiner Mama etwas über einen alten Mann gesagt haben, der gegenüber saß und gar nicht meine Kleinmädchen-Traumwelten passte, er war wie ein Fremdkörper. Mama schimpfte mit mir und ermahnte mich, dass man so etwas nicht sagt, ich habe wohl nur irgendwie angeekelt geguckt, dann zu ihr und irgendwas gebrabbelt wie „der Mann…. ähhh ihh *grein*“. Da fällt mir ein, mein Großvater hatte so ab seinen Siebzigern bis er starb, auch recht viele Falten, hauptsächlich um die Augen, er war sehr schlank und drahtig, aber sah auch alt aus. Allerdings scherzte er viel mit mir, deswegen mochte ich ihn gerne. Lachen ist ja eh das beste Facelift. So lange die plastische Chirurgie etc. noch nicht so weit ist, dass ich mal NICHT denke „sieht gemacht aus“, versuche ich es mit Heiterkeit. Nur der Eitelkeit wegen versteht sich. Natural Facelift 🙂 Apropos Rauchen im hohen Alter anfangen: Senta Berger hat neulich erzählt, dass sie mit Siebzig angefangen hat, vorher hat sie nie geraucht. Soll keine Empfehlung sein, aber mal eine mit echtem Genuss, gelegentlich, das hat schon was. Ich könnte noch so viel zum dem Thema loswerden, aber ich will auch noch andere zu Wort kommen lassen!

    1. „Je älter sie dann werden, umso leiser werden solche Statements.“ 😂 Stimmt. 🫣😅
      Danke, liebe Gaga, für diesen erquickenden, ehrlichen, berührenden, erheiternden und zugleich nachdenklich stimmenden Kommentar.
      „Die Verkörperung von der Umkehr des kreativen, aufstrebenden Prozesses, Umkehr von Entfaltung, Hinweis auf Rückzug vom Leben und baldiger Auflösung.“ Nach diesem Satz müsste ich eigentlich sofort eine Detoxkur einlegen. 😄
      Und Du bist der beste Beweis dafür, dass Heiterkeit ein Natural Facelift ist. 😍

  3. Ich hatte das bisher nie, dass ich zurückschaute, aber vielleicht kommt es noch. Ich werde nächstes Jahr 60. Was ich sagen kann: Diese Zahl hat überhaupt nichts mit mir zu tun, außer dass es mein Alter ist. Das ist so paradox, ich werde 60 und das ist mir so fremd. Aber eigentlich wollte ich hie was Witziges schreiben, mir fällt nichts ein. Du jedenfalls, du wirst eine kreative, witzige, gut- und jungaussehende Alte werden, das weiß ich. 😀

    1. Das kann ich total gut verstehen, dass sich die 60 so paradox anfühlt. Ich weiß noch, wie meine Großeltern 60 geworden sind. Ohne meiner geliebten Oma zu nahe treten zu wollen – aber von der gefühlten Jugendlichkeit her liegen da Welten zwischen euch. Das kann man eigentlich gar nicht vergleichen.

      Heute heißt es ja gern: „60 ist das neue 40.“ George Clooney, Idol meiner Jugend, ist 65 – das kriege ich auch nicht in meinen Kopf. Vielleicht müsste mit steigender Lebenserwartung irgendwann auch das statistische Seniorenalter hochgeschraubt werden. Und unsere Nachfahren gelten dann erst mit 80 als „älter“. 😄

      Und vielen lieben Dank für dieses schöne, aufbauende Kompliment 😍🫶🏼 Das kann ich nur zurückgeben! Du wirst eine coole, witzige, schlaue, schöne Alte sein, die irgendwo am griechischen Meer sitzt, mit großem Hut und sehr lässig raucht. Schließlich willst du ja im hohen Alter wieder damit anfangen. 😄

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